Hochwassereinsatz 2003                
in  
Südfrankreich
     
                
      

Viernheimer THW`ler helfen beim Hochwasser im Süden des Nachbarlandes        

Stephanie Reinhard, Christian Busalt, Thorsten Weis, Christian Schwarck,            
Dirk Müller, Rene Eberhard und Thomas Wunder  sind wieder nach fast 2 Wochen
Hochwassereinsatz aus
südfranzösischen Arles zurück.
Südhessen Morgen - 19.12.2003
Von Redaktionsmitglied Cordula Baumann

Viernheim.
"Ein Dankeschön an unsere Arbeitgeber, ohne ihre Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen",
lautet die Botschaft der gerade aus dem Hochwassergebiet um Arles zurückgekehrten
"Blauen Engel" aus dem Ried. Die Ehrenamtlichen des Einsatztrupps Darmstadt, dem auch Viernheimer
angehören, haben in Südfrankreich knapp zwei Wochen gegen mehr als fünf Millionen Kubikmeter Wasser
gekämpft.

Der Einsatz steckt den Helfern - einige sind erst seit Mittwochmorgen, 3.30 Uhr, wieder in Viernheim -
noch in den Knochen. "Ich habe mich so auf eine heiße Badewanne gefreut", verrät Christian Busalt,
der als Untereinsatzabschnittsleiter die gesamte Zeit für die Positionierung der Pumpen,
den Verpflegungs-, Treibstoff- und Materialnachschub vor Ort zuständig war.


Nach knapp acht Millionen Kubikmetern Pumpleistung und 14 Tagen Arbeit werden die letzten der insgesamt
1.300 THW-Einsatzkräfte am Samstag zu Hause erwartet. 850 von ihnen waren in der Nacht zum 5.
Dezember im Auftrag von Bundesinnenminister Otto Schily und auf Ersuchen der Europäischen Kommission
in die Hochwasserregion um die Stadt Arles entsandt worden. Das Kontingent des THW in Südfrankreich
setzte sich aus 40 Fachgruppen Wasserschaden/Pumpen sowie Führungs-, Logistik und
Elektroversorgungseinheiten der THW-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen
sowie der THW-Länderverbände Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Bremen, Niedersachsen zusammen.

abpumpen abpumpen der Wassermassen in den einzigen natürlichen Abfluss

"Anfangs stand das Wasser stellenweise zwei bis drei Meter hoch", erinnert sich der 34-Jährige an den
ersten Tag seines Einsatzes im Gespräch mit dem "Südhessen Morgen". "Und es wurde und wurde erst
einmal nicht weniger", ergänzt seine Kollegin Stephanie Reinhardt, die bereits seit Samstag wieder in der
Brundtlandstadt ist. "Das ist schon deprimierend, wenn man vier Tage lang jeden Morgen schaut,
ob es weniger geworden ist und scheinbar nichts passiert", beschreibt die 33-jährige Köchin des Lorscher
Krankenhauses das Warten auf sichtbare Entspannung der Lage.

Versorgung der Einsatzkräfte Versorgungslogistik am Einsatzort
Logostischer Aufwand zur Helferversorgung

Obwohl beide bereits seit 20 Jahren THW-Mitglieder sind und auch schon zuvor Erdbeben- und          
Hochwassereinsätze mitgemacht haben, ist Reinhardt noch immer etwas geschockt, wenn sie an die
Situation in der überfluteten Stadt zurückdenkt: "Ich war zwar an der Elbe, aber so schlimm,
wie es Arles getroffen hat, habe ich es mir nicht vorgestellt. Überhaupt habe ich noch nie so viel
Wasser gesehen." "Da denkt man sich, man kommt nie voran", pflichtet ihr Busalt bei.

professionelle Hilfe
professionelle Hilfe internationale Zusammenarbeit Land unter

Doch die Helfertrupps haben sich mit allem, was sie hatten - Pumpen mit einer Leistung von                    
670 Kubikmetern pro Minute
  an die Stadt herangetastet.
"Wir mussten von den Brücken und Zufahrtsstraßen aus arbeiten, da wir erst einmal nicht in das
Wohngebiet hinein konnten", erklärt der Elektriker die Vorgehensweise - so dass die Stadt nach nunmehr
zwölf Tagen vollen Pumpeneinsatzes nahezu trocken ist. "An einigen Stellen steht noch etwas Wasser,
aber damit werden die französischen Kollegen jetzt alleine fertig", meint der Viernheimer.

Was die Situation der Menschen vor Ort angeht, so wird wohl noch lange keine Normalität einkehren,
sind sich Reinhardt und Busalt sicher. "Die haben zum Teil alles verloren", können die beiden THW'ler
durchaus verstehen, dass viele Bewohner sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen. "Anfangs waren
von 7000 gerade einmal 4000 evakuiert - die anderen haben ohne Strom und Wasser versucht, in ihren
Häusern auszuhalten und das bei der Kälte nachts", berichtet die Helferin.

Voller Mitgefühl erzählt Busalt von einem älteren Ehepaar, das weinend in sein zerstörtes Hause
zurückkehrte,
um die Fotoalben zu retten: "Nicht nur die Häuser, sondern auch alle Erinnerungen sind weg - und das so
kurz vor Weihnachten." Das Fest, auf dass sich die THW'ler jetzt besonders freuen, da sie über die
Feiertage "in einem richtigen Bett" ausschlafen und entspannen können. Denn durch den Schichtdienst
konnten die Helfer nie "länger als fünf Stunden am Stück schlafen".


die ersten Einheiten werden abgezogen internationale Zusammenarbeit


Taschenrechner statt Tauchpumpe - die Logistik eines Einsatzes                                                   

Versorgung
                            
Versorgung

Arles. Ohne eine gut geplante Logistik nützen Pumpen und Aggregate nichts - schnell würde der Sprit     
ausgehen oder die Einsatzkräfte Hunger leiden. Neben den Fachgruppen Logistik Material und
Verpflegung, abgekürzt Log M / V, ist im Frankreich-Einsatz auch zum ersten Mal die "Log Euro" mit
dabei.

Als mobile Zahlstelle regeln Ursula Höhne von der THW-Geschäftsstelle Mühldorf und ihr Kollege
Wolfgang Friebe aus Aachen alle Geldgeschäfte und Einkäufe vor Ort. In einem Einsatzfahrzeug haben sie
ihr Büro eingerichtet. Von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends laufen alle Rechnungen, Tankbelege und
Lieferscheine über ihren Schreibtisch.

Mit einem kleinen Bargeld-Handvorschuss waren die Hilfsmannschaften in die Schadensgebiete
abgerückt. Da sich jedoch schnell abzeichnete, dass vor Ort größere Geldmengen nötig sein würden,
entschied sich das THW eine zentrale Stelle mit der Abwicklung aller finanziellen Angelegenheiten zu
betrauen. Jede Buchung, von der Glühbirne bis zur Thermo-Unterhose für die Wathose, wird per Rechner
erfasst und verbucht.

Wolfgang Friebe findet seine Arbeit selber zwar "unspektakulär, aber doch wichtig". Ursula Höhne hat
bisher "noch nicht viel Wasser gesehen", aber zu einem großen Einsatz "gehört auch eine ordentliche
Abrechnung".

Unterstützung erhalten die beiden von Frank Lafarré. Der THW-Helfer aus Aachen fährt alle zwei Tage die
Geschäfte in Arles an, mit denen das THW Vereinbarungen zum Kauf auf Lieferschein getroffen hat.
Dann begleicht er die offenen Rechnungen und spielt "Geldkurier" bei Bäckereien, Autozubehör-Läden und
im Supermarkt.

17.12.2003

Interview mit Wolfgang Kulwicki, dem THW-Einsatzleiter in Frankreich                                          

THW Einsatzleiter
Arles. Wolfgang Kulwicki ist beim THW erfahrener Spezialist, der in vielen        
Auslandseinsätzen seine Qualifikation unter Beweis gestellt hat.
Als Einsatzleiter für den Einsatz im Rhone-Hochwasser hat er die
Verantwortung für Anfangs 850 Helfer und die Zusammenarbeit nicht nur mit den
französischen Partnern, sondern auch mit Zivilschutzeinheiten aus Belgien,
Italien und Tschechien.

thw.de: Herr Kulwicki, wie haben Sie die Arbeit der Männer und Frauen des
THW empfunden ?

Kulwicki: Mir fehlen fast die Worte über den Erfolg der Arbeit. Über viele Tage
und Nächte im Schichtbetrieb den Betrieb von Pumpen dieser großen Leistung
sicherzustellen, ist eine Leistung besonderer Art.

thw.de: Wie läuft die Zusammenarbeit mit den in Arles eingesetzten Kräften
aus den verschiedenen europäischen Ländern?

Kulwicki: Die Zusammenarbeit ist problemlos, auch Sprachbarrieren existieren
kaum noch. Die französische Feuerwehr hat beispielsweise soviel Zutrauen in
die Erfahrung des THW, dass nach gemeinsamer Erkundung das THW
selbständig Einsatzstellen übernommen hat. Die kleineren, nur mit Pumpen
ausgestatteten Komponenten aus Belgien und Italien konnten von unseren
mitgeführten Kränen und Transport-LKW beim Aufbau ihrer Pumpen unterstützt
werden. Dieser Einsatz zeigt, dass das zusammenwachsende Europa wirklich
Realität wird.

thw.de: Haben Sie Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten ?

Kulwicki: Unsere Helfer und Führungskräfte haben Dank in allen Varianten
erfahren, Einheimische gehen auf unsere Einsatzkräfte zu, nur um ihnen aus
Dankbarkeit die Hand schütteln zu können. In einem Bereich hat sich eine
Gruppe von vier Frauen gefunden, um die nachts an den Pumpen und
Aggregaten arbeitenden Einsatzkräften regelmäßig mit Kaffee, Tee und warmem
Kakao zu versorgen. Die blauen Einsatzanzüge sind zu einem Markenzeichen
geworden, ohne Ansehen von Funktion und Tätigkeit stehen sie für die Hilfe am
Nächsten.



Südhessen Morgen - 11.12.2003
Das grosse Pumpen :
THW schuftet rund um die Uhr
Viernheimer Hochwasser-Spezialisten kämpfen in Arles um jeden Zentimeter trockenes Land

Viernheim/Arles. "Es wird aus vollen Rohren gepumpt", schildert Gottfried Störmer,
Sprecher beim Technischen Hilfswerk (THW), die Lage im französischen Arles, wo seit
vergangenen Freitag auch fünf Pumpen-Spezialisten aus der Brundtlandstadt im Einsatz sind.

Obwohl bereits rund zwei Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Talkessel, in dem die
südfranzösische Stadt liegt, herausgepumpt worden sind, beurteilen Sachverständige die Lage noch
immer als kritisch. "Acht Kilometer vor Arles stehen die Straßen noch unter Wasser",
berichtet Florian Hoppner dem "SM" am Telefon. Der Gruppenführer der THW-Hochwassertruppe
Darmstadt, der auch die "Blauen Engel" aus Viernheim angehören, ist derzeit im am stärksten
betroffenen Gebiet nördlich der Stadt eingesetzt. "Auf den Straßen steht das Wasser noch über
einen Meter hoch und an die Häuser kommen wir gar nicht ran", sagt der 21-Jährige, der bereits seit
neun Jahren aktives THW-Mitglied ist.

Immer wieder komme es vor, dass Bewohner versuchten, Wertsachen zu retten.
Den Anblick ihrer zerstörten Häuser könnten aber nicht alle verkraften, weiß Hoppner: "Manche
bekommen einen Nervenzusammenbruch und müssen von Rettungskräften ins Krankenhaus
gebracht werden. Die Bewohner nimmt das schon sehr mit."

Aber auch für die THW-Gruppen ist die Lage vor Ort nicht immer einfach. Denn auf das riesige
Aufgebot an Hilfstrupps - inzwischen allein 850 aus Deutschland - ist die Region um die
50 000-Einwohner-Stadt nicht eingerichtet. "Chaos ist in Katastrophengebieten am Anfang immer",
kommentiert Störmer die stockende Versorgung mit Material und Lebensmitteln der Helfer.
"Die französische Armee hat uns mit ihren Rationspaketen ausgeholfen.
Jetzt bekommen wir belegte Brote und einmal am Tag eine warme Mahlzeit", beschreibt Hoppner
die Situation.

Die Hochwasser-Experten aus dem Ried, die inzwischen in zwei Schichten rund um die Uhr Wasser
von den Straßen pumpen, sind in einer Grundschule untergebracht und haben trotz Schlafmangel
und schlechter sanitärer Anlagen ihre gute Laune nicht eingebüßt: "THW'ler sind flexibel", nehmen
Hoppner und seine Kameraden Unannehmlichkeiten mit Humor.

Wie lange sie noch in Arles bleiben werden, wissen die Viernheimer noch nicht: "Einige von uns
sind nur eine Woche freigestellt und müssen am Montag wieder arbeiten." Aber der THW-Einsatz sei noch
länger nicht beendet, ist sich Störmer sicher: "Es wird kurzfristig entschieden, ob frische Kräfte
nachgeführt werden." Bis dahin sorgen die Pumpen aus dem Ried mit dafür, dass der Wasserpegel weiter
um zehn Zentimeter am Tag gesenkt wird.


Stand: 06.12.2003, 13.30 Uhr
Alle verfügbaren THW-Einheiten sind im Einsatz

Die an den Einsatzstellen eingetroffenen THW-Hochwasserspezialisten,
die Bundesinnenminister Otto Schily in der Nacht zum Freitag in das südfranzösische
Katastrophengebiet entsendet hatte, sind seit heute Mittag vollständig im Einsatz.
Bereits in der vergangenen Nacht war an vier Einsatzorten im Stadtgebiet von Arles mit den
Pumparbeiten begonnen worden.


Stand: 04. 12. 2003
THW-Fachgruppen Wassersschaden / Pumpen sowie Führungs-, Logistik- und
Elektroversorgungseinheiten von der französischen Regierung angefordert.
Das Kontingent des THW in Arles setzt sich aus 40 Gruppen der THW-Landesverbände,
Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen sowie des THW-Länderverbandes Hessen,
Rheinland-Pfalz, Saarland zusammen.
Insgesamt sind etwa 850 THW-Hochwasserspezialisten mit 231 Fahrzeugen im
Hochwassergebiet im Einsatz.

 
                                                                                                                    
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